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Vererbung in der Zucht von Kornnattern



Was ist Vererbung und wie funktioniert sie? 

Denken wir uns einmal zurück in die Schulzeit. Biologie. Mendel und seine Vererbungslehre. Wer jetzt nicht mehr so genau weiß, was da besprochen und gepaukt wurde, der kann sich auf den folgenden Seiten noch einmal die Grundlagen anschauen. Wir haben für euch hier die wichtigsten Punkte einmal aufgeführt und versucht, sie verständlich zu erklären.
Hier findet ihr Informationen über die Grundlagen der Vererbung sowie die derzeit wichtigsten Gene der Kornnatterfarbzucht, ihre Zusammensetzung und Fotos zu den Morphen.

Mendelsche Regeln

Gregor Mendel, der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte, war der „Vater“ der Vererbungslehre. Er erkannte durch Versuche mit Pflanzenkreuzungen, dass die Vererbung bestimmten Richtlinien folgt und entwickelte die drei „Mendelschen Regeln“:

1. Uniformitätsregel
2. Spaltungsregel
3. Unabhängigkeits- /Neukombinationsregel

Zu denen kommen wir allerdings später. Erst einmal müssen wir verstehen, was Gene sind. Jedes Individuum auf der Welt, egal ob Mensch, Tier oder Pflanze, trägt Erbanlagen in sich. Diese Erbanlagen, auch Gene genannt, bestimmen je nach Aufgabe und Art bestimmte Merkmale wie Aussehen, Größe, Farbe, Blutgruppe und noch tausende andere Dinge. Da wir uns hier mit der Genetik von Kornnattern befassen wollen, grenzen wir das ein wenig ein und befassen uns mit der Ausprägung der Farben und der Zeichnung. 
Gene kommen in bestimmten Formen vor. Diese nennt man Allele. Allee wiederum kommen immer doppelt vor. Ein Gen hat also immer zwei dazugehörige Allele. Die Position eines Genes in der gesamten Erbinformation nennt man Locus, also den Genplatz.
Alle uns heute bekannten Farbmorphen der Kornnatter (mit ein paar wenigen Ausnahmen) vererben sich rezessiv. Das bedeutet, dass der Wildtyp immer dominant dem anderen Gen gegenüber ist und sich durchsetzt. Rezessive Gene kommen nur dann zur Ausprägung, wenn sie doppelt vorhanden sind (homozygot vorliegen).
Hier werden euch die Punett-Quadrate eine Anschauung bieten (in Arbeit).

Nun noch schauen wir uns noch mal die drei Regeln Mendels genauer an:

Die Uniformitätsregel besagt:
Wenn zwei Eltern (Parentalgeneration, P1), die unterschiedliche Merkmale in homozygoter (reinerbig) Form tragen, verpaart werden, die Nachkommen (Filialgeneration/F1) untereinander uniform, also gleich sind. Sowohl in ihrem Phänotypen (Aussehen) als auch im Genotypen (sichtbare, sowie nicht sichtbare Erbanlagen). Die F1 ist heterozygot (mischerbig) für beide Merkmale der Eltern.

Wie der Phänotyp der F1 ist, kommt nun auf den Erbgang an. 

Vererben sich die Merkmale der Eltern dominant-rezessiv, dann haben alle Individuen der F1 den Phänotypen des dominanten Genes.

Beispiel 1:

Verpaarung Wildfarben x Amelanist
Alle Jungteiere sind phänotypisch wildfarben, aber mischerbig für Amleanismus
(Wildfarben het Amel), weil das Gen für die wildfarbige Ausprägung dominant gegenüber dem rezessiven Gen Amelanistik ist. 

Werden die Merkmale intermediär bzw. codominant vererbt, bildet sich eine Mischung beider Phänotypen

Beispiel 2:

Verpaarung Motley x Striped
Beide Gene liegen auf dem selben Locus (Genplatz). Da jeder Locus zwei Allelen Platz bietet, müssen sich die Gene nun diesen Locus teilen. Je ein Allel von Motley und eines von Striped besetzten nun denLocus. Er kommt zu einer Mischausprägung: Motley-x-Striped. Geno- und Phänotyp sind hier gleich.

Die Spaltungsregel besagt: 
Aus einer Kreuzung von mischerbigen Individuen (nehmen wir als Beispiel mal die Tiere aus der Verpaarung Wildfarben x Amelanist, also die F1) keine Uniformen Nachkommen (hier F2), sondern phäno- undgenotypisch aufgespaltene Abbilder der Eltern (P1) hervorgebracht werden.

Beispiel:
Verpaarung F1 Wildfarben het Amel x Wildfarben het Amel
Es kommen sowohl wildfarbene als auch amelanistische Jungtiere zum Vorschein. Ihr Phänotyp ist aufgespalten. Auch der Genotyp ist nicht mehr derselbe, da einige der wildfarbenen Jungtiere auch wieder mischerbig für das amelanistische Gen ist. Es ist jedoch von außen nicht erkennbar, welche der wildfarbenen Jungtiere mischerbig sind. Hier kommt gerne die Bezeichnung p.h. (possible heterozygot = vielleicht spalterbig) zum Zuge. 
Die Prozentangabe vor dem p.h. errechnet sich aus der Kombination der Eltern. Bringt nur ein Elter (ja, in der Biologie gibt es diese Einzahl) ein heterozygotes Merkmal mit, trägt jedes der Nachkommen dieses Gen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 %. Kommt das Merkmal heterozygot von beiden Eltern, dann ist die Wahrscheinlichkeit bei 66% für jeden Nachkommen. 

Die für uns jedoch interessanteste Regel ist die dritte. Die Unabhängigkeits- bzw. Neukombinationsregel. Sie besagt, dass bei der Kreuzung reinerbiger Individuen mit verschiedenen Merkmalen diese unabhängig voneinander an die F1 vererbt werden und in der F2 (die zweite Filialgeneration) völlig neue Kombinationen dieser hervortreten.

Beispiel:

Verpaarung Anerytristik x Amelanistik
Die F1 bring wieder wildfarbene Tiere zum Vorschein, da zwei unabhängige rezessive Gene (Amel und Anery) aufeinander treffen, die jedoch mischerbig für beide Gene sind (Wildfarben het Amelanistik, Anerytristik).
Verpaart man die F1 untereinander, so treten in der F2 sowohl wieder wildfarbene als auch anerytristische und amelanistische Tiere auf. Neu jedoch ist hier auch die Kombination aus Amelanistik und Anerytristik (Snow).

Diese Regeln könnt ihr mit beliebigen Genen austauschen, es führt immer zum selben Resultat, solang es sich um rezessive Gene handelt.

Bisher gibt es bei den Kornnattermorphen nur wenige Ausnahmen, die nicht rezessiv dem Wildtyp gegenüber sind: Toffee und Tessera. Bei diesen Genen kommen in der F1 schon Nachkommen mit demPhänotypen des Gens zum Vorschein, obwohl die Tiere nur mischerbig sind. 

Worauf man achten muss:
Es gibt bei den vielen unterschiedlichen Farb- und Zeichnungsvarianten der Kornnatter auch Auswahlzuchten. Diese vererben sich nicht in dem Sinne genetisch, wie die normalen rezessiven Gene, sondern sind Resultat von Linien, bzw. Auswahlzuchten, bei denen die Zuchttiere nach bestimmten phänotypischen Merkmalen (z.B. Breite der Sattelfleckenumrandungen bei Okeetees) ausgewählt werden, in der Hoffnung, dass diese wieder auf möglichst viele Nachkommen übergehen. Ein „het Okeetee“ gibt es also nicht, da Okeetee kein bestimmtes Gen ist, sondern nur eine bestimmte Merkmalsausprägung, die sich bei Verpaarungen wieder verlieren kann. 
Wenn man also die Theorie einer Verpaarung durchgeht, ist es wichtig, dass man weiß, mit welchen Genen man „rechnet“ und wie diese vererbt werden.